Fachakademie für Medizintechnik

Absolventenberichte

... verantwortlich für die Geräte, führe die Messungen selbst durch, berate Ärzte ...

Ein ehemaliger Studierender der Akademie, seit 3 Jahren als Medizintechniker in Amerika berufstätig, nahm sich die Zeit, um vor den Studierenden der FAK1 und FAK2 von seinen Erfahrungen in den USA zu erzählen. S.B. fasste sie auch in einem schriftlichen Bericht zusammen:„Noch während der Schulzeit an der Fachakademie kam ich in den Ferien im Rahmen eines Basketball-Wettkampfes in die USA. Hier lernte ich eine Studentin, meine jetzige Ehefrau, kennen.Nach dem Abschluss als Medizintechniker zog es mich natürlich wegen meiner Freundin in Richtung Westen über den großen Teich. Seitdem wohne ich in Chapel Hill in North Carolina.Chapel Hill, mein neues zu Hause, besteht im Grossen und Ganzen aus einer Universität, Krankenhäusern, Spezialkliniken und medizinischen Forschungszentren. Dort habe ich eine Anstellung als "Medical Assistant" in einer Augenklinik bekommen. In den USA gibt es eine Fülle von medizinischen Forschungszentren, meist an großen Universitäten, so also auch in Chapel Hill. Als Probant ist es hier einfach, schnell Geld dazuzuverdienen. Verschiedene Medikamente werden im Labor getestet, dann an den sog. Subjekten, also den Probanten, "ausprobiert". Manchmal werden gesunde Subjekte gesucht, manchmal Subjekte mit Hepatitis A,B oder C, HIV, Bluthochdruck, Diabetes usw. Dann wird mit unterschiedlichen Methoden herausgefunden, wie das Medikament am Subjekt wirkt und welche Nebenwirkungen es hat. Diese Forschungen werden meist von großen Pharmafirmen gesponsert, z.B. Merck oder Bayer. Als ich in einer solchen "Study" teilnahm, kam ich mit einem Arzt ins Gespräch, der mir erzählte, dass hier in einem Monat ein neues Labor eröffnet wird. Ich erzählte ihm, dass ich Medizintechniker von Beruf bin und einen "permanent Job" (also mit Anspruch auf Urlaub und Krankenkasse) suche. Ich gab ihm meinen Lebenslauf, und drei Wochen später erhielt ich einen Anruf: Ich bekam den Job.Meine Aufgabe hier ist seitdem, die sog. "Body Composition Lab" zu leiten. Ich arbeite hier also im GCRC (General Clinical Research Center of the University of North Carolina). Unser Zentrum führt "research studies" für alle möglichen Firmen und Center durch. Ich koordiniere die "Body Composition Laboratory". Dabei bin ich verantwortlich für die Geräte, führe die Messungen selbst durch, berate Ärzte und "study coordinators" (Brücke zwischen Ärzte und study team) und bestimme, welche Geräte neu angeschafft werden müssen. Ich führe z.B. Messungen mit Hilfe eines Röntgen-gerätes durch, das Knochendichte und Körperfett bestimmt (DEXA für Dual Energy X-ray Aborptiometry) o-der "Indirect Calorimetry", d.h. ich messe den Kalorienverbrauch, während sich der Patient ausruht oder sportlich aktiv ist.Mir gefällt es hier in den Staaten sehr gut. Laut einer In-ternetdatenbank ist Raleigh/Durham/Chapel Hill, oder auch Triangle genannt, die beste Gegend zu leben. Die Lebensqualität ist sehr hoch. Hochkarätige Universitäten, geringe Arbeitslosigkeit und RTF (Research Triangle Park) bringen die Attraktivität. Im RTP sind viele internationale Firmen ansässig, u.a. auch Siemens. Ich habe hier ca. 4 Stunden ins Gebirge (Appalachians) und 2.5 Stunden zum Atlantik, 4 Stunden nach Washington D.C. und 10 nach Orlando, Florida. Ich habe sehr nette Arbeitskollegen und Kolleginnen, sehr viel Verantwortung. Finanziell komme ich auch gut zurecht. Hier am Campus gebe ich zwei Studenten in Deutsch Nachhilfe und auch im Krankenhaus braucht man öfter meine Hilfe zum Übersetzen. So kommen viermal im Jahr zwei deutsche Familien nach Chapel H/7/, die kaum Englisch sprechen. Sie nehmen an einer Studie teil, da ihr Kind an einer seltenen Wachstumskrankheit leidet. In Chapel Hill wurde ein Medikament entwickelt, dass dem Kind durchschnittliche Größe verspricht und bisher gut einschlägt. Die Subjekte kommen aus der ganzen Welt. Ich arbeite auch mit Probanden von den Bahamas, Spanien, Argentinien, Polen und Brasilien.Als Arbeitnehmer an der Uni bin ich berechtigt, Kurse an der Universität hier zu belegen. Das praktiziere ich so oft wie möglich.Der Sport und Fitness stehen in den USA weit oben. Zwar gibt es hier sehr viel "übergewichtige" Menschen, doch die Mehrzahl legt sehr viel Wert auf Ernährung und Fitness. Collegesport ist hier sehr beliebt, da sich das Volk mit den Schulen sehr gut identifizieren kann. Kein Wunder, bei ca. 1600 Universitäten ist für jeden etwas dabei.Wir haben hier nur 12 Tage Urlaub und haben 12 sog. "sick days", können also 12 Tage/Jahr krank sein. Krankenversicherung und Sozialversicherung erhält man nur, wenn man einen "permanent Job" hat. Ich bekomme regelmäßig meine "Benefits", wie Krankenversicherung, Urlaub und Kurse an UNC. Jedoch muss man immer einen Eigenanteil von 20% nach jedem Arztbesuch selbst bezahlen. Das kann ganz schön ins Geld gehen. Der Amerikaner verdient aber im Schnitt mehr als der Deutsche.Ich vermisse Deutschland, meine Familie und Freunde, aber grundsätzlich kann ich mir ein Leben in den USA auf die Dauer sehr gut vorstellen. Ich kann Menschen, die gerne mal für eine Zeitlang in die USA oder ein anderes Land möchten, nur ermutigen. Es ist eine großartige Lebenserfahrung, neue Leute und neue Kulturen (besonders in den USA) kennen zu lernen."S.B.

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